Die Geschichte der Naturheilkunde

 

 

Pflanzen spielten von jeher eine wichtige Rolle für den Menschen. Nahrung, Kleidung und Arznei musste er sich in der Natur sammeln. So nutzte er die Pflanzen zur Faserherstellung für Seile und Kleidung, zur Ernährung, zur Ölgewinnung für Lampen und als Nahrung, als Farbstoff, als Heilkraut oder für psychoaktive Zwecke. Man fand im heutigen Irak ein Grab der Neandertaler, das zwischen 50.000 und 70.000 Jahre alt sein soll, in dem sieben verschiedene Heilkräuter gefunden wurden, darunter waren die heute noch bekannte Malve und das wunderschöne Tausendgüldenkraut.

Man fand Tabletten der alten Sumerer, die zeigen, dass sie ihre Medikamente aus pflanzlichen und mineralischen Verbindungen mit Flüssigkeiten oder Lösungsmitteln gemischt haben, wie zum Beispiel mit Wein, Bier, Honig oder mit pflanzlichen Ölen.

Tiere wissen instinktiv, was die beste Hilfe für das gesundheitliche Problem ist, das sie gerade haben. Auch bei domestizierten Tieren scheint das zum Teil erhalten geblieben zu sein. Ihre angeborene Fähigkeit, die passende Heilpflanze zu wählen.

Menschen lernten und forschten, und so entstand eine breite Grundlage über die Wirkung der Heilkräuter. Als Basis dafür diente in früheren Zeiten aber dennoch die Beobachtung der Tiere in freier Wildbahn. Sie waren die ersten Naturheilkundler und unsere Lehrer.

Das erlangte Wissen wurde zuerst weitererzählt, zu späterer Zeit niedergeschrieben, erweitert, und zusammengefasst.

1.550 v. Christi wurden von den Ägyptern schon genauere Behandlungsmethoden beschrieben. Asthma zum Beispiel, wurde mit "einer Mischung aus Kräutern auf einem Backstein erhitzt, so dass der Leidende ihre Dämpfe einatmen konnte."

Die alten Griechen waren die Ersten, die in Europa die Kunst des Heilens mit Kräutern kultivierten. Theophrastus von Eresos, ehemaliger Leiter des Lykeion, welches eine Reihe von verschiedenen Bildungseinrichtungen beinhaltete und zur damaligen Zeit quasi den Mittelpunkt des Wissens in der griechischen Welt darstellte, schrieb einige Werke in denen er 550 heilende und auch giftige Pflanzen beschrieb. Die Pflanzenbücher des Aristoteles, der ein großer Wissender zu seiner Zeit war, gingen leider verloren.

Dioskurides, ein griechischer Militärarzt aus dem ersten Jahrhundert nach Christi, schrieb in griechischer Sprache eine Buchreihe, die von den Römern ins Lateinische übersetzt wurde und fortan als "Materia medica“ berühmt geworden ist. Diese fünf Bücher der Buchreihe sind das erste umfassende Arzneimittelwerk des Altertums. Die Materia medica war im Mittelalter hoch verehrt, alle Heiler, die etwas auf sich hielten, haben zumindest einmal darin gelesen. Diese Buchreihe wurde später tausende Male vervielfältigt, und brachte so die Pflanzenmedizin unter das breite Volk.

Durch die Römer kamen viele Pflanzen samt dem Pflanzenwissen in unsere nördlicheren Regionen. Im frühen Mittelalter sorgten dann so ab ca. dem 8. Jahrhundert die Benediktinermönche für die weitere Kultivierung, Erforschung und Verbreitung der Heilkräuter. Die Mönche brachten von allen möglichen Klöstern weltweit ihre Ableger und Samen der Heilpflanzen auch zu uns, wo sie sie in den Kräutergärten anpflanzten. Jedes Kloster hatte einen Klostergarten, der die Mönche ernährte und der auch für medizinische Zwecke angelegt worden war.

Gegen Ende des 8. Jahrhunderts geschah dann etwas, was die Verbreitung der Kräuter stark voranbringen sollte: Kaiser Karl der Große befahl per Erlass, genannt "Capitulare de villis", der vorgab, welche Pflanzen auf seinen Landgütern angebaut werden sollten. Dazu gehörten unter anderem Thymian, Minze, Melisse, Liebstöckel, Majoran, Salbei. Grund dafür war, dass Karl der Große selbst ein Anhänger der Pflanzenmedizin war, und er so seinem Volk - und nicht zuletzt seinen Soldaten, dies zugutekommen lassen wollte. So wurde die Kräutermedizin zur Volksmedizin.

Je mehr die Menschen lesen lernten, desto weiter drang das Wissen über die Kräuter und vor allem das Wissen, dass es keine Hexerei ist, in das Volk vor. Und sobald ein Heiler keine Angst mehr haben musste, dass er verbrannt wurde, desto freier und wirksamer konnte er seinen Studien und seiner Kunst nachgehen. Dadurch entstand neues Wissen, und durch den Buchdruck wurde das Wissen immer weiter getragen. Es entstanden Werke wie die bebilderten Kräuterbücher von Hieronymus Bock im Jahre 1539 und Jacobus Theodorus Tabernaemontanus im Jahre 1588.

Wie früher in den Klöstern fingen jetzt die Bauern an, Heilpflanzen und Gewürze anzupflanzen. Die Heilkräuter waren plötzlich in größeren Mengen jedermann zugänglich.

So entstanden auch neue Berufssparten wie die des Apothekers und die des Arzneimittelherstellers.

Die Entstehung der Pharmakologie und die Entdeckungen über die Herstellung heilender pharmakologischer Wirkstoffe im 18. und 19. Jahrhundert waren der Anfang vom Ende der breiten Nutzung von Heilkräutern in der Bevölkerung. Die Pharmaindustrie war geboren.

Dass dieses wertvolle Wissen jedoch nicht verloren geht, möchte ich diese Informationen nach Überlieferungen gerne weiter geben.

 

Infos und Anfragen um Weiterbildungsseminar: www.naturheiltherapeutin.at